„Wir haben uns bemüht, aber wir hatten keinen Erfolg“

 

Diesen Satz hörten wir bei unserem zweiten Besuch in Armenien 1986 angesichts des Tempels von Garni. Wir hatten bis dorthin rund 4000 km mit unserem handbedienten „Wartburg“ zurückgelegt. Er führte außer Karin und mir (als Fahrer) vor allem meinen Schieberollstuhl mit, mit dem mich Karin nicht nur in die vorgegebenen Hotel- oder Motelunterkünfte, sondern auch zu allen nur irgendwie erreichbaren Sehenswürdigkeiten „verfrachten“ musste.

Heute – zwei Tage vor dem Ende eines mehr oder weniger schwachsinnigen „Wahlkampfes“ – ist vorherzusehen, dass die knappe Hälfte aller an diesem „Kampf“ beteiligten und zwangsläufig unterlegenen virtuellen „Kämpfer“ demnächst im Katzenjammer den gleichen Satz vor sich hin murmeln wird. Vorausgesetzt natürlich, dass das annähernde „Kräftegleichgewicht“ zwischen Regierenden und Opposition bestehen bleibt – und nicht durch eine „große Koalition“ gestört wird.

 

Der Tempel von Garni

                     wurde im 1. Jh. unserer Zeit unter einem armenischen Herrscher und „Vasallen“ des römischen Kaisers aus Basaltgestein errichtet. Er stürzte erst im 17. Jh. infolge eines Erdbebens ein und wurde nach dem 2. Weltkrieg rekonstruiert und wieder aufgerichtet.

In seiner Nähe befinden sich die Ruinen des Herrscherpalastes. Und in seinen unterirdischen Räumen entdeckte man die oben zitierte (griechische) Inschrift.

 

 

 

Für uns und wohl auch für unsere armenische Reisebegleite-rin, die uns davon erzählte, hatte sie schon damals symbolische Bedeutung. Die Gorbatschow-Ära hatte begonnen und gab zwar eine gewisse Hoffnung. Aber die Menschen folgten ihren „Führern“ nicht mehr bedingungslos. Der eklatante Widerspruch unserer Zeit – das Zurückbleiben der „naturhaft gebliebenen Informationsverarbeitung“ und damit des gesellschaftlichen Bewusstseins gegenüber den anderen zunehmend industriell verfügbar gemachten zivilisatorischen Mitteln –  war mit den bis dahin und bis heute angewandten Methoden nicht lösbar.

 

            Noch einige Jahre vorher – bei unserer ersten Kaukasusfahrt 1980, in der Breshnew-Ära –  waren wir in der weiten Ukraine auf ein großes Transparent mit der Losung gestoßen:

 

 

 

Unser Ziel – Kommunismus!

 

 

Wir waren keine Propheten. Aber dass dies Ziel – wie so viele andere zuvor – auf unzureichenden Gesellschaftsdiagnosen und –prognosen beruhte, war uns schon damals einigermaßen bewusst.

            Bevor wir nicht auf diesem Gebiet besser werden, dürften weiterhin viele Mühen vergeblich sein.

            In unseren Köpfen gibt es nicht nur die metaphorischen „Mauern“ und „Gräben“ aus der Zeit der Teilung Deutschlands. Schlimmer und wirksamer sind die „Mauern und Gräben“, die zwischen unserer (globalgesellschaftlichen) Vergangenheit und Zukunft entstanden sind und die uns daran hindern, einen  ERFOLGVERSPRECHENDEN Weg in die Zukunft einzuschlagen, einen nötigen Paradigmenwechsel zu vollziehen. Noch immer gibt es „Führerkult“ und „Majestätsbeleidigungen“ – welch Schwachsinn! Noch immer huldigen wir der (politischen, militärischen und wirtschaftlichen) STÄRKE –

 

VERNUNFT scheint eine unerreichbare Utopie – solange nicht entscheidungsfördernde Information

mit neuen MITTELN „gemacht“, erzeugt werden kann..

 

 

E. Schlegel

20.09.02