Differenzierung und Integration, Chaos und Ordnung in Natur und Gesellschaft aus dialektisch-materialistischer Sicht

 

INHALT:

1. Zusammenfassung

   1.1 Problemstellung

 

   1.2 Thesen

2. Kurze Selbstdefinition des dialektischen und historischen Materialismus

3. Neue Widersprüche und Einsichten durch den Formations- und Paradigmenwechsel beim Übergang von der „energiezeitlichen Gesellschaft“ zur „Informationsgesellschaft“

 

4. Allgemeine Phasenfolge Informationelle Modellierung (1) - Entscheiden (2) – Handeln (3) (nach dem Vorbild der Medizin)

 

   4.1 Die Art und Weise der Produktion von informationellen „Überlebensmitteln“

4.1.2 Die verschiedenen Arten von verbalen Aussagen

4.1.3 Die ikonische/graphische Modellierung

4.1.4. Zur Problematik der anschaulichen Modellierung unanschaulicher Sachverhalte

           4.1.5. Die Dynamisierung der statischen Modelle

 4.1.6 Darstellung der Globalgesellschaft als System-Prozess-Modell in Raum- und               

         Zeitkoordinaten

           4.1.B. Gesellschaftsbefunde

           4.1.C. Die Gesellschaftsprognose

   4.2 Gesellschaftliche Entscheidungen

   4.3. Gesellschaftstherapie

-------------------------------------

1. Zusammenfassung

Es bestand die Aufgabe, ein Konzept zur Gestaltung eines Ausstellungsraumes zum oben genannten Thema zu erarbeiten. Die Aufgabe wurde so verstanden, dass sie als Vorstudie für die Darstellung einer Gesellschaftstheorie gedacht ist, mit der der historische Versuch unternommen wurde, eine „Gesellschaftsformation Sozialismus“ praktisch zu verwirklichen. Als Gesellschaftsstrategie mit ausdrücklicher globalgesellschaftlicher Zielsetzung glich sie einem Generalstabsplan, der jedoch nicht primär auf militärischer oder wirtschaftlicher Kraft/Stärke beruhte, wie es dem Zeitgeist der „Industriezeit“ entsprach, sondern auf wissenschaftlicher Kenntnis.

Damit war sie praktisch ihrer Zeit um eine Epoche voraus. Es hing alles von der Richtigkeit der gesellschaftlichen Diagnosen und der Wahrscheinlichkeit der Prognosen ab.

Diese Bedingung konnte nicht erfüllt werden. Das Projekt scheiterte an der Unmöglichkeit, Informationen bereitzustellen, die als globalgesellschaftliche Entscheidungsmittel ähnlich wirksam werden wie die relativ spontan wirkenden zeitgemäßen militärischen und wirtschaftlichen Mittel.

Die Frage der bewusst anzuwendenden gesellschaftlichen Mittel der im Entstehen begriffenen „Gesellschaftsformation Informationsgesellschaft“, ihrer Produktion und Verwendung als Integrations- und Ordnungsmittel, steht deshalb im Mittelpunkt der Überlegungen.

 

  1.1 Problemstellung

 

Es geht gegenwärtig vor allem um unser „Bild“ von einer globalen Menschengesellschaft und ihrem natürlichen irdischen Umfeld, der Biosphäre. Beide befinden sich nicht mehr in einem natürlichen Zustand, sondern in einer durch die zivilisatorische Sonderentwicklung der Spezies Homo sapiens erheblich gestörten und möglicherweise gefährdeten Verfassung.

Dieser „Istzustand“ ist durch gesamtgesellschaftliches Bemühen zu diagnostizieren, zu prognostizieren und gegebenenfalls in globalgesellschaftlicher Verantwortung zu therapieren.

Prinzipiell ist diese Zielsetzung nicht neu. Es entspricht der allgemeinen menschlichen Praxis und auch der „Praxis der Natur“, sowohl sich selbst teils verändernd, teils bewahrend in die bestehende räumlich und zeitlich „übergeordnete“ (größere) Ordnung einzufügen als auch die beteiligten Systeme und Prozesse damit stets in einem annähernd stabilen Verhältnis zueinander zu halten, also gewissermaßen durch dynamische Regulierung ständig zu therapieren.

Die systemische Gesamtschau auf das Großsystem natürliche Biosphäre und ihr Teilsystem Globalgesellschaft beginnt aber erst in jüngerer Zeit Konturen zu gewinnen, die man mit einigem Recht als „wissenschaftliches Weltbild“ oder als „wissenschaftliches Modell von Natur und Gesellschaft“ bezeichnen kann.

Wissenschaft wird noch immer vor allem von Experten für Experten betrieben. Es kommt aber wohl darauf an, Wissen als ein für die Lebensgestaltung aller Menschen erforderliches und brauchbares  „Existenzmittel“ zu betrachten. Das erfordert nicht zuletzt eine Verallgemeinerung, eine Generalisierung des umfangreichen gesellschaftlichen Wissens, um es dem realen Informationsbedarf der Mehrzahl der gegenwärtig 6 Milliarden lebenden Individuen für ein verantwortungsbewusstes Verhalten anzupassen.

Die Frage lautet also: Welches Wissen ist nötig, um 6 Milliarden Menschen so zu integrieren, dass sie für möglichst lange Zeit gemeinsam mit ihrer irdischen Umwelt (der Biosphäre) koexistieren können? Voraussetzung ist, dass diese Zielsetzung tatsächlich besteht und dass bekannt ist, zu welchem „Preis“, unter welchen Bedingungen dies Ziel zu erreichen ist.

Worin bestehen und bestanden bisherige gesellschaftliche Theorien und Praktiken? Welche bewahrenswerten und welche veränderungswürdigen Tendenzen offenbaren sich bei einer umfassenden Diagnostik, einem „Check der Gesundheit“ von Theorie und Praxis? Was ist therapierungswürdig und mit welchen Mitteln?  Soll man zukünftig in die Entwicklung bewußt eingreifen oder sich besser auf eine natürliche Selbstregulierung verlassen? Wer ist „man“?

Gewöhnlich gab es in der menschengesellschaftlichen Vergangenheit nur (sprachlich formulierte) Regeln, Verhaltensnormen für kleinere gesellschaftliche Systeme, Familien, Stämme, Nationen, beherrschbare Teilsysteme der insgesamt relativ unkoordinierten, kaum bewußt miteinander kommunizierenden globalen Menschengesellschaft.

Vorläufer einer Theorie der bewussten Veränderung globalgesellschaftlichen Verhaltens tauchten erst in der Neuzeit auf. Sie gründete auf dem Glauben an hinreichendes Wissen über natürliche und gesellschaftliche Entwicklungsgesetze. Hier ist besonders die philosophische Variante des „dialektischen und historischen Materialismus“ (DHM) zu nennen. Sie war die theoretische Grundlage einer praktischen Politik, die nach zwei Weltkriegen zur Bildung eines „sozialistischen Weltsystems“ führte, das einige Jahrzehnte konkurrierend zum „kapitalistischen System“ Bestand hatte.

Es scheint gerechtfertigt, Ursachen für die „Integrationskraft“ dieser Philosophie und deren schließliches Versagen  zu untersuchen. Sollte sich herausstellen, dass es erfolgversprechend wäre, das Modell durch „Laufendhaltung“ zu verbessern, so sollten entsprechende Bemühungen vorurteilsfrei gefördert werden.

Die Aufgabe ist also eine doppelte:

1. Diagnostizieren und Prognostizieren der real existierenden Sachverhalte „Natur“ und „Gesellschaft“;

2. Diagnostizieren und Prognostizieren der bereits vorhandenen Modelle als gebrauchsfähige MITTEL zur Integration einer offensichtlich zu differenzierten und zu wenig bewusst handlungsfähigen Zivilisationsgesellschaft.

           Dabei ist davon auszugehen, dass Produkte geistiger Tätigkeit als von der Gesellschaft hervorgebrachte und verwendbare MITTEL anzusehen sind, die wie andere „materielle“ Mittel Gebrauchswert besitzen sollten, der bewertbar ist. Über die Bedeutung von MITTELN aller Art, insbesondere aber von informationellen Mitteln, sind einige Korrekturen älterer Vorstellungen nötig.

          Die Bewertung erfordert auch eine Erweiterung des gängigen ökonomischen Marktbegriffes und einen allgemeinen Systembegriff mit Input- und Output-Relationen. An die Stelle eines ökonomischen Marktes könnte eine freie gesamtgesellschaftliche Kommunikation treten. Die Gesellschaft würde zur „Kommunität“. Diese Sicht dürfte erst „einsichtig“ werden durch einen komplementären Systembegriff, der mit der Erkenntnis der Komplementarität von Energie und Information verbunden ist.

          Dies sind zum Teil prognostische Aussagen, die nur als Wahrscheinlichkeitsaussagen bewertet werden können. 

                                              

   1.2 Thesen

       Die Fragen nach Zustand und Bewegung/Entwicklung, nach der „Weltordnung“ und den „Verhaltens-/Entwicklungsprogrammen“ von Natur und Gesellschaft, sind säkulare Fragen, die die zum Nachdenken und zur („extrasomatischen“) Darstellung ihrer Gedanken (ihrer „inneren Modelle“) befähigten  Menschen nachweislich seit langem bewegten.

1.                              Die Antworten auf die Frage fielen zu verschiedenen Zeiten und bei wechselnden Bedingungen unterschiedlich aus, enthielten aber auch Gemeinsamkeiten. Identische Aussagen zu ein und demselben Sachverhalt sind jedoch vergleichsweise selten. Die Wissenschaft Betreibenden „produzieren“ ihre „Modelle“ in individueller Arbeitsweise bei einem hohen Anteil an Kunstfertigkeit – in der Regel als Experten für Experten. Eine „Massenwirksamkeit“ wird im Normalfalle nicht angestrebt.

2.                              Die unterschiedlichen Fragen und Antworten ergeben sich aus der räumlich und zeitlich begrenzten Wahrnehmbarkeit der „Welt“ und der Zusammenhänge zwischen ihren Elementen durch die Menschen und aus deren sich wandelnder Fähigkeit zur Verarbeitung individueller und kollektiver Wahrnehmungen zu „Modellen“ des Wahrgenommenen.

3.                              Zu den bisher umfassendsten und nachhaltig wirkenden Modellen gehören die Weltbilder oder Weltanschauungen der sog. Weltreligionen des eurasiatischen Raumes aus der „Stoffzeit“ (Bronzezeit bis Ende des Mittelalters) und das „wissenschaftliche Weltbild“ der „Energiezeit“ (Industriezeit), der dialektische und historische Materialismus (DHM). Beide spielten in ihrer jeweiligen Hauptwirkungszeit eine bedeutende Rolle als informationelle MITTEL zur Verhaltensintegration für sich festigende oder verändernde Gesellschaftssysteme (Feudalsysteme, Nationalstaaten, Staatengemeinschaften). Ihr „Gebrauchswert“, ihre gemeinsame Zweckbestimmung, bestand darin, Entscheidungsgrundlage für kollektives Verhalten zu sein, relative Gleichheit/Integration/Homogenität „nach innen“ und Ungleichheit/Differenzierung/Abgrenzung „nach außen“ zu bewirken.

4.                              Die Unterschiede zwischen den beiden verschiedenzeitlichen Modellen widerspiegeln die gesellschaftlichen Veränderungen, die zwischen Altertum und Neuzeit stattgefunden haben, insbesondere die Dynamisierung sowohl der neuen nutzbaren materiellen Mittel (Kraftmaschinen) als auch des Denkens in den Kategorien von machbarer Kraft, Stärke, Energie, Macht. Der Gedanke der Veränderbarkeit der gesellschaftlichen Lebensverhältnisse, der natürlichen und zivilisatorischen Evolution (und Revolution), die Erweiterung der Diagnostik (des Wahrnehmbaren) durch die wissenschaftliche Erklärung des Vergangenen und die versuchte Prognostik des Zukünftigen, also die räumliche und zeitliche Überwindung der Wahrnehmungsschranken durch wissenschaftliche Modellierung, führte vom religiösen Glauben an eine göttliche Weltordnung zu einer neuen Form von „Gläubigkeit“, die in dem Satz gipfelt: „Die Theorie wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift“. Später entstand auch der Begriff von der „Produktivkraft Wissenschaft“.

5.                              In dieser und anderen „Kraftvergötzungen“ offenbart sich eine allgemeingesellschaftliche „Zeitkrankheit“, die erst mit der neuen gesellschaftlichen Qualität einer „Informationsgesellschaft“ diagnostizierbar und vielleicht auch therapierbar werden könnte. 

6.                              Der DHM war von dieser Zeitkrankheit nicht verschont. Sie offenbarte sich in der diagnostischen Kernfrage des historischen Materialismus, der Problematik der „ökonomischen Gesellschaftsformationen“. Marx diagnostizierte zwar richtig, dass es eine zivilisationsgeschichtliche „Formationsfolge“ gab, die er als gesetzmäßig ansah. Er lebte in einer Zeit, in der der revolutionäre Formationswechsel vom „Feudalismus“ zum „Kapitalismus“ und in relativ engem Zusammenhang damit die Formierung einer neuen Gesellschaftsklasse, der Arbeiterklasse, im gesellschaftlichen Bewusstsein präsent war. Für ihn bot sich das Erklärungsmodell vom Klassenkampf als gesellschaftsbewegender „Kraft“ an. Da zeitgleich eine soziale Bewegung unter den Bezeichnungen „Sozialismus“ und/oder „Kommunismus“ (in Fortsetzung der Gleichheitsforderung der Französischen Revolution) wirksam war, prognostizierten er und andere einen kommenden revolutionären Formationswechsel vom „Kapitalismus“ zum „Sozialismus/Kommunismus“ mit einem Machtwechsel von der herrschenden bürgerlichen zur beherrschten Arbeiterklasse. Er bezeichnete die prognostizierte Gesellschaftsformation als „Sozialismus“, der eine weitere „kommunistische“ folgen sollte.

7.                              Die „Integrationskraft“ dieses Modells reichte aus, um zunächst in zahlreichen energiezeitlichen Staaten „Gegenkräfte“ (z. B. als marxistische Arbeiterparteien) zu organisieren, die dann im Ergebnis zweier Weltkriege relativ plangemäß eine „sozialistische Gesellschaftsordnung“  in Russland und der späteren Sowjetunion und schließlich ein „sozialistisches Weltsystem“ errichteten, das über einige Jahrzehnte in Konkurrenz und schließlich im „kalten Krieg“ mit dem „kapitalistisch-imperialistischen“ System existierte. Es ist heute auf einen Restbestand (China, Kuba) und politische „linke“ Organisationen geschrumpft, die gewöhnlich von der „offiziellen öffentlichen Meinung“ verteufelt werden. Das theoretische Modell konnte aus europäischer Sicht nicht dauerhaft und fortschreitend expansiv in die Praxis umgesetzt werden. Die Frontlinie zwischen differenzierender und integrierender Gesellschaftsfazies umrandet durch das kapitalistische Roll-back nur noch einige geographische Inselreste.

8.                              Dem müssen diagnostische und prognostische Fehler zugrunde liegen. Der diagnostische bestand in der energiezeitlich bedingten Überhöhung/Verabsolutierung des Phänomens „Energie, Kraft“ und des damit zusammenhängenden „Klassenkampfes“ als gesellschaftliche Hauptverhaltensweise. Das komplementäre Phänomen „Information“ konnte in seiner Bedeutung noch nicht erkannt werden. Die im 19. Jahrhundert gesehene und auf Grund vermeintlicher Leitmerkmale als Abfolge „Urgesellschaft – Sklaverei – Feudalismus – Kapitalismus“ bezeichnete Formationsfolge konnte in ihrer „inneren Logik“ nicht richtig interpretiert werden. Die heute als „Informationsgesellschaft“ zwar ebenfalls ohne Berücksichtigung eines historischen Zusammenhanges – aber  immerhin treffend – so bezeichnete „Gesellschaftsformation“ folgt logisch einer „Energiegesellschaft“ – was noch unlängst kaum zu vermitteln war. Die unzulängliche Diagnose führte zu der falschen Prognose einer „Gesellschaftsformation Sozialismus“ – was im Nachhinein als Fehler erklärbar ist.

9.                              Der „Sozialismus/Kommunismus“ wird damit zu einer mit der energiezeitlichen „Gesellschaftsfazies“ zeitgleichen „Facette“ der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Das Verhältnis „Kapitalismus/Sozialismus" widerspiegelt den säkularen gesellschaftlichen Gegensatz zwischen Integration und Differenzierung. Er ist in allen Gesellschaftsformationen als „Relation“ präsent, verkörpert den nicht auflösbaren dialektischen Grundwiderspruch, die „paarige Grundeinheit“ unserer Welt, unseres Denkens  und unserer Sprache. Die real existierende Welt wird so zu einem dialektischen Kompromiss, zu einer Relation zwischen „absoluter Ordnung“ und „absolutem Chaos“. Die Bezeichnungen „Integration“ und „Differenzierung“ sind Metaphern für einen nicht endenden Kommunikations- oder Ausgleichsprozess in und zwischen allen ständig mutierenden natürlichen und gesellschaftlichen Systemen.

 

2. Kurze Selbstdefinition des dialektischen und historischen Materialismus

(i.w. nach G. Klaus und M. Buhr (Herausgeber): Philosophisches Wörterbuch, 2 Bde., 11. Aufl.,

1394 S., Bibliogr. Institut Leipzig 1975)

 

Materialismus, dialektischer und historischer (PhWb 752)

„...Synonym für die Philosophie des Marxismus-Leninismus; die durch MARX und ENGELS geschaffene, von LENIN weiterentwickelte Philosophie der revolutionärsten Klasse der Geschichte, der Arbeiterklasse, die die historisch höchste, weil konsequenteste und umfassendste Form des philosophischen Materialismus darstellt...“

 

Dialektik (PhWb 275)

„Das Wesen der dialektischen Entwicklungskonzeption kommt in den drei Grundgesetzen der Dialektik zum Ausdruck:

1.                             dem Gesetz von der Einheit und dem „Kampf“ der Gegensätze, dem zufolge die Triebkraft jeder Bewegung und Entwicklung die den Dingen innewohnenden dialektischen Widersprüche sind, die Bewegung also als Selbstbewegung gefasst wird;

2.                             dem Gesetz vom Umschlagen quantitativer Veränderungen in qualitative Veränderungen und umgekehrt, das die Entwicklung nicht als einfache quantitative Veränderung, als Evolution fasst, sondern die Einheit von Quantität und Qualität, von Evolution und Revolution, Kontinuität  und Diskontinuität in der Entwicklung betont;

3.                             dem Gesetz der Negation der Negation, nach dem die Entwicklung eine Höherentwicklung ist, keine einfache Vernichtung des Alten, sondern ein Prozess dialektischer Negationen, in denen frühere Stadien überwunden, aber gleichzeitig ihre positiven und entwicklungsfähigen Seiten erhalten bleiben. Die dialektische Konzeption der Entwicklung steht im Gegensatz zur metaphysischen Auffassung der Entwicklung, bei der die Selbstbewegung im Schatten bleibt bzw. die Triebkraft der Entwicklung nach außen verlegt wird (Gott), die Entwicklung als quantitative Verkleinerung und Vergrößerung, als einfache Wiederholung durchlaufener Stadien betrachtet wird.

Die drei Grundgesetze der Dialektik werden durch eine Reihe anderer dialektischer Gesetzmäßigkeiten ergänzt...“ 

 

Materialismus (PhWb 746)

„...die dem Idealismus entgegengesetzte Grundrichtung der Philosophie. Name für diejenigen Weltanschauungen (Philosophien und philosophischen Anschauungen) die die Grundfrage der Philosophie dahingehend beantworten, dass die Materie gegenüber dem Bewusstsein in letzter Instanz das Primäre, das Bestimmende ist...“

 

Idealismus (PhWB 539)

„...die dem Materialismus entgegengesetzte Grundrichtung der Philosophie, Name für diejenigen Weltanschauungen..., die die Grundfrage der Philosophie dahingehend beantworten, dass auf diese oder jene Weise... das Bewusstsein gegenüber der Materie das Bestimmende sei...“

 

Idee (Kein Stichwort im PhWb)

 

Bewusstsein (PhWb 224)

„... spezifisch menschliche ideelle Widerspiegelung der objektiven Realität vermittels des Zentralnervensystems. Das Bewusstsein umfasst die Gesamtheit der sinnlichen und rationalen Widerspiegelungsformen sowie den Bereich der menschlichen Emotionen und des Willens, d. h. die gesamte psychische Tätigkeit des Menschen...“

(S. 226): „Das Bewusstsein ist kein materielles Produkt, etwa im Sinne einer organischen Absonderung, sondern eine komplizierte Tätigkeit (? ES), deren spezifisches Merkmal in der Fähigkeit besteht , die objektive Realität in ideellen Formen (? ES) widerzuspiegeln, (als „inneres Modell“, ES) abzubilden, Materielles in Ideelles zu übersetzen (und in Worten, Zeichen extrasomatisch zu „veräußern“, ES).

Materie (PhWb 769)

„...die objektive Realität, die außerhalb und unabhängig vom menschlichen Bewusstsein existiert...“

 

3. Neue Widersprüche und Einsichten durch den Formations- und Paradigmenwechsel beim Übergang von der „energiezeitlichen Gesellschaft“ zur „Informationsgesellschaft“

 

Bei prinzipieller Beibehaltung der Dialektik (als Methode zur Klärung der Warum-Frage, des erklärenden Modells) und des Materialismus als Grundsatz für die Modellierung des Istzustandes bei der wissenschaftlichen Diagnostik sind doch zeitgeistbedingte Fehler zu korrigieren.

Grundsätzliche Bedeutung hat die Sicht der Relation Materie – Bewusstsein. Diese Begriffe sind nicht komplementär.

Der Formationsbegriff als Kernstück des historischen Materialismus muss durch den Faziesbegriff (als Komplement) ergänzt werden.

Es ergeben sich daraus weniger widersprüchliche Prognosemöglichkeiten. Prinzipiell sind die Gesellschaftsprognosen für die Informationsgesellschaft als letztmöglicher Form der Zivilisationsgesellschaft nur dann möglich, wenn die gegenwärtige Strategie der Mittelproduktion beibehalten und auf die Produktion von Informationsmitteln ausgedehnt wird. Es geht also nicht darum, den Menschen selbst mit Hilfe technischer Mittel genetisch, „innersomatisch“ zu verändern, also gewissermaßen eine „künstliche gengesteuerte Evolution“ zu „erzeugen“.

Die bisher produzierten Mittel waren „extrasomatische“ Mittel, die vom Menschen gebraucht , benutzt werden konnten. Dazu hatte die Gesellschaft ein eigenes „zivilisatorisches Organ“ oder Teilsystem entwickelt, die „Wirtschaft“ mit weiteren Subsystemen niederer Größenordnung. 

Als neuestes Subsystem ist das für Informationstechnologie (IT) hinzugekommen. Die Nutzung der neuen technischen Mittel erfolgt im Prinzip durch die Gesamtgesellschaft teils in produktiver, teils in konsumtiver Weise. Als Folge der Technisierung ergeben sich neue Möglichkeiten der informationellen Produktion, zunächst vorwiegend von unterhaltsamer „Wegwerfinformation“. Darüber hinaus wird aber die Sphäre der wissenschaftlichen Produktion vor neue Orientierungsprobleme gestellt, die den steigenden Bedarf an entscheidungsrelevanter prognostischer Information berücksichtigen.

Die traditionellen Wissenschaften tun sich darin vorerst noch schwer und überlassen das Feld vielfach flexibleren Werbeagenturen, die rascher ökonomische Beziehungen zu wirtschaftlichen oder politischen „Führungsetagen“ anknüpfen können.

Insgesamt entsteht ein eigenes „Marktsegment für entscheidungsfördernde Information“ durch Management und andere „Führungskräfte“. Ein Durchschlagen dieser Information zu den „führungsbedürftigen Massen“, eine gewisse „Verwissenschaftlichung der Lebensweise“ und damit eine höhere Befähigung zur eigenen Verhaltensregulierung ist offenbar nicht bewußt eingeplant.

Damit ergibt sich ein krasser Gegensatz zu den ursprünglichen aufklärerischen Intentionen des DHM, der ausdrücklich darauf orientierte, die Arbeiterklasse zu vernünftigem gesellschaftlichem Verhalten zu befähigen. Noch Gorbatschow gab die Losung vom „neuen Denken“ aus.

Sein tragischer Irrtum wie der seiner Vorgänger bestand darin, nicht zu erkennen, dass der „Fortschritt“ der Gesellschaft nach der Erfindung und massenhaften Einsetzung von Energietechnik nun in der Einsetzung von „Informationstechnik“ bestand. Allerdings ist damit nicht der Einsatz von multimedialer Technik zur Verbreitung konsumtiver „informationeller Genussmittel“ gemeint, sondern vordringlich als Mittel zur Produktion „besserer“ Information für nachfolgende Entscheidungen.

Bessere Information kann nicht mehr mit den Mitteln des naturhaften Verstandes produziert werden, wenn der tatsächliche und noch kaum geahnte gesellschaftliche Bedarf gedeckt werden soll. Bessere Information muss die Masse der handlungsfähigen Menschen zu einem Verhalten befähigen, das einem definierten und mit höchster Vernunft gewählten, nicht mehr utopischen sondern real möglichen Ziel dient.

An dieser Zielbestimmung und den nötigen Entscheidungen und nachfolgenden Handlungen muss die Globalgesellschaft mitwirken wollen und können. Das ist nur durch einen globalgesellschaftlichen Paradigmenwechsel zu erreichen – für dessen Realisierung vorerst nicht viel spricht.

 

4. Allgemeine Phasenfolge Informationelle Modellierung (1)- Entscheiden (2) – Handeln (3) (nach dem Vorbild der Medizin)

 

 4.0. Ausgangspunkt sind gewöhnlich unerklärbare Empfindungen eines veränderungswürdig erscheinenden Sachverhaltes

 

4.1.1. Die Diagnose

 Das Porträt (beschreibendes Modell)

 Die Anamnese, Familienchronik oder Stammesgeschichte (erklärendes Modell)

4.1.B.   Der zusammengefasste Befund

 

4.1.2. Die Prognose

2.1 Alternative Zielmodelle (Verändern oder Bewahren)

2.2  Wege zum Ziel, Strategien

 

4.2. Die Entscheidung ( für eine der möglichen therapeutischen Varianten)

 

4.3. Die Therapie (praktisches Handeln)

Strukturelle (chirurgische), substantielle (pharmazeutisch-stoffliche), energetische (z. B. Stzrahlentherapie), informationelle Eingriffe/Transformationen

 

Zu 4.1. Die Art und Weise der Produktion von informationellen „Überlebensmitteln“

 

   4.1.1.Die unanschauliche verbale Beschreibung eines „Gegenstandes“ oder „Sachverhaltes“

 

Sie erfordert die Definition eines Gegenstandes/Sachverhaltes als

System und/oder Prozess;

die Definition von Merkmalen (Bestandteile, Eigenschaften, Verhaltensweisen) und

Merkmalswerten (digital = vorhanden oder nicht vorhanden, 0 oder 1 oder analog).

Dies ist zunächst ein Datengewinnungsprozess (Analyse), sodann eine Datenverarbeitung (Synthese),

die auch zu verschiedenen mathematischen Modellen oder Teilmodellen führen kann.

 

 

   4.1.2. Die verschiedenen Arten von verbalen Aussagen

 

        Es ist üblich, verschiedenartige Aussagen zu unterscheiden und unterschiedlich zu bewerten. Von beschreibenden Aussagen (know how) wird erwartet, dass sie auf Wahrnehmungen beruhen und wahr sind. Andernfalls gelten sie als unwahr. 

Erklärende Aussagen (know why) werden aus beschreibenden Aussagen logisch abgeleitet/interpretiert und gelten als richtig oder falsch.

Prognostische Aussagen beruhen zwar auf diagnostischen, können aber nur als wahrscheinlich bewertet werden. Sie beinhalten mögliche Zielmodelle und Strategien zum Erreichen der Ziele.

Ein großer Teil der Aussagen erfüllt das Kriterium der auf Wahrnehmung beruhenden Wahrheit nicht, sondern beruht auf Vermutungen, Annahmen, falschen Schlüssen usw. Sie gelten als Behauptungen, die eines Beweises bedürfen.

Die formale Unterscheidung der verschiedenen Aussagearten, etwa einer wahren Aussage von einer Lüge, ist gewöhnlich nur im Kontext möglich, vielfach aber auch dann nicht. 

 

   4.1.3. Die ikonische/graphische Modellierung

 

               Sie erfolgt zweidimensional ohne oder mit Koordinaten, besitzt gewöhnlich relativ hohe Anschaulichkeit, bildet aber nicht den Gegenstand, sondern nur eines oder mehrere seiner Merkmale (und Merkmalswerte) ab.

 Räumliche Sachverhalte (z. B. der Erdoberfläche) können als 2-D-Modelle kartiert werden. Auch ein Foto ist ein 2-D-Modell, das ein Bild liefert, das dem als „inneres Modell“ bewußt gewordenen nahe kommt, aber nicht mit dem Gegenstand identisch ist, sondern nur mit dessen „Aussehen“.

Dies ist das allgemeine Problem aller Modelle: es werden im Grunde nur bestimmte „leitende“ Merkmale modelliert, die zum Teil als „Kennziffern“ erst durch mathematisch-logische Operationen gewonnen werden.

 

   4.1.4. Zur Problematik der anschaulichen Modellierung unanschaulicher Sachverhalte

 

Der Mensch ist dank seiner schöpferischen Fantasie in der Lage, sich „Dinge“ bildlich vorzustellen, die es so in der Realität nicht gibt. Nach diesem Bilde oder „inneren Modell“ formt er reale Mittel als „Produkte“. Diese Mittelproduktion erfolgte in der Zivilisationsentwicklung in 4 Schritten: Der („strukturellen“) Umgestaltung/Transformation, der substantiellen (stofflichen) Transformation, der energetischen Transformation, der informationellen Transformation. Dabei erfolgte beim Übergang von einer „Stoffzeit“ zur „Energiezeit“ ein erheblicher, noch immer nicht völlig geistig „verkrafteter“ Umbruch vom anschaulichen Körper- zum relativ abstrakten Systemdenken. „Energie“, Kraft, Stärke waren nichtkörperliche Phänomene, für deren Transformation nun körperliche Mittel erforderlich, erfunden und „gemacht“ wurden.

Von besonderem Interesse sind gegenwärtig informationelle Transformationen. Es entsteht immer mehr ein Bedürfnis nach Informationen mit nicht nur individuellem, sondern entscheidungsförderndem Gebrauchswert für einen Großteil der Globalgesellschaft. Die Art und Weise der Produktion und Konsumtion von neuartigen systembewahrenden und systemverändernden InformationsMITTELN wird zum neuen gesellschaftlichen Problem. Die alten Mittel werden kritisch neubewertet.

Dies ist eine neue revolutionäre „Umwertung alter Werte“, die einen großen Teil der Globalbevölkerung überfordert, insbesondere auch bestimmte „Führungseliten“, die sich im Laufe der Entwicklung verschiedener Führungsrollen bemächtigt hatten. Sie treiben in einem globalen Hasardspiel eine risikoreiche Entwicklung voran, für die keine ausreichenden diagnostischen und prognostischen Modelle vorhanden sind. Die Massen folgen ihnen teils in blindem Vertrauen, teils zweifelnd, teils gezwungenermaßen oder auch gar nicht. Ein kleiner nicht paralysierter Teil leistet körperlichen Widerstand. Der „geistige“ Widerstand ist unkoordiniert.

 

   4.1.5. Die Dynamisierung der statischen Modelle

 

Die technologische Entwicklung der optischen Abbildung von Prozessen (Film) war ein Produkt der allgemeinen Dynamisierung des zivilisatorischen Lebens in der „Energiezeit“. Zuvor war diese Fähigkeit vor allem der Sprache (als fortlaufender Prozess) und der „Gebärdensprache“ durch Tanz und Theater (als gespieltes Leben) vorbehalten.

Inzwischen ist es möglich, „virtuelle künstliche Welten und Prozesse“ zu generieren, was der fantasievollen utopischen Verfälschung der Wirklichkeit neue Möglichkeiten eröffnet. Als Spiel mit Möglichkeiten kann diese Technik auch als neues Mittel der Desinformation missbraucht werden.

 

   4.1.6. Darstellung der Globalgesellschaft als System-Prozess-Modell in Raum- und Zeitkoordinaten

Die Selbsttransformation der Spezies Homo sapiens von einem Natursystem zu einem Zivilisationssystem in 4 aufeinander folgenden Phasen. Die Notwendigkeit einer nachfolgenden Ära der „Reformation“ oder Rückformung ist angedeutet.

Ein allgemeines Systemmodell stellt die gemeinsamen Merkmale aller uns bekannten Ordnungszustände der organischen und anorganischen Natur dar, die auch für das System Globalgesellschaft gelten.

 

Die Besonderheit der Zivilisationsgesellschaft besteht darin, sich mit produzierten MITTELN zu umgeben, die es der Gesellschaft ermöglichten, ein rascheres Entwicklungstempo einzuschlagen als es ein natürlicher Mutations- und Selektionsprozess erlaubt hätte. Dadurch wurde die natürliche Selektion erheblich eingeschränkt. Die Differenzierung durch Mutation wurde dagegen ungleichgewichtig gegenüber der  homogenisierenden Integration gefördert. Der zivilisatorische Fortschritt wurde durch biologische Dekadenz erkauft und weitgehend eliminiert.

Mit jeder Produktion gebrauchswertiger Mittel  ist die von unbrauchbaren oder schädlichen „Abprodukten“ verbunden. Durch jede Entnahme von Rohstoffen, Rohenergie, Rohinformation aus der Natur verarmt diese. Allerdings ist die Entnahme von körperlichen Stoffintegrationen (z. B. Lagerstätten) anders zu bewerten als die von unkörperlicher (Feld!) Energie und Information. 

 

 

 

 

 Systemeigenschafte

 Mensch

Zivilisation

Biosphäre

                 Information

"Vernunftentfaltung"

Informationszeitalter

Menschenwelt/Anthropogen

Feld

 

 

 

                 Energie

Kraftentfaltung

Energiezeitalter

Tierwelt/Zoogen

 

 

 

                                              

                 Stoff

stoffliche Reife

Stoffzeitalter

Pflanzenwelt//Phytogen

Körper

 

 

 

                Gefüge

Gestaltgewinnung

Gefügezeitalter

Mineralwelt/Minerogen

 

Evolutionäres Korrelationsdiagramm der Systeme Mensch, Zivilisationsgesellschaft und Biosphäre als anschauliches Modell der „materiellen Einheit der Welt“

Die Entwicklung erfolgt von unten nach oben und führt zur Bildung von Mehrschichtsystemen.

 

4.1.B. Gesellschaftsbefunde

 

In der Medizin werden gewöhnlich menschliche oder tierische Individuen „befundet“, d. h. nach einem umfangreichen mehr oder weniger eklektischen „System“ klassifiziert oder typisiert. Jedem Typus liegt gewöhnlich ein singulärer „Holotypus“ zu Grunde. Diese „Urbilder“ müssen dem Mediziner in einem langwierigen Lernprozess als „medizinisches Grundwissen“ vertraut gemacht werden, damit er das konkrete Erscheinungsbild eines Patienten auf Grund beobachtbarer „Leitmerkmale“ einem solchen Typus zuordnen kann. Die Leitmerkmale können auch aus analytisch gewonnenen Messdaten bestehen, aus denen unter Umständen durch mathematische Klassifizierungsmethoden Befundzuordnungen möglich sind.

Gesellschaftliche Systeme (z. B. Staaten) werden in der Regel nach ökonomischen Daten „klassifiziert“. Es sind jedoch auch relativ willkürliche „qualitative“ Typisierungen gebräuchlich, etwa „Schurkenstaaten“, „Habenichtse“, Entwicklungs-, Schwellenländer usw.

Ein singuläres System wie die Globalgesellschaft hat kein gleichartiges Vergleichsobjekt für eine „differenzierte Bewertung“. Es kann nur verallgemeinernd als „System“ betrachtet und verglichen werden, etwa als „Teilsystem“ eines natürlichen „Übersystems“ Biosphäre, Erde, Natur, Kosmos.

Ist die Globalgesellschaft ein „natürliches System“? Ist das menschliche Individuum ein „Naturwesen“? Offensichtlich nicht. Mensch und Gesellschaft haben sich in „Zivilisationssysteme“ gewandelt, zu „Hybridwesen“. Die Bezeichnung „Mensch-Maschine-System“ trifft nur bedingt zu. Richtiger wäre, von „Mensch-Mittel-Systemen“ zu sprechen, denn ein großer Teil der nötigen Mittel entstammt zivilisationsgeschichtlich den Jahrtausenden vor dem „Maschinenzeitalter“. Dieses führte allerdings zu einer gewaltigen und bedrohlichen Zunahme der Mittelproduktion und des Mittelkonsums.

Die Disproportionen zwischen dem ursprünglichen Natursystem „Menschengesellschaft“ und anderen Natursystemen wuchsen erst jetzt „blitzkrebsartig“ an. Es erscheint gerechtfertigt, dies als höchst beunruhigenden gesellschaftlichen Befund zu registrieren. Die Gefahr des Chaos, der Selbstzerstörung scheint „mittelfristig“ gegeben.

Dies muss zu gesamtgesellschaftlichen Entscheidungen und neuen Therapieversuchen führen. Sie erfordern neue Prognosen, vor allem rigorosere Rückbaustrategien.

 

4.1.C. Die Gesellschaftsprognose

 

Die Therapie von Krebskranken oder anderen Kranken mit defektem Immunsystem erfordert besondere Bemühungen um die Entwicklung eines „geistigen Immunsystems“, nachdem chirurgisch-strukturelle, stofflich-medikamentöse und energetisch-strahlentherapeutische Methoden versagten.

            In gesamtgesellschaftlicher Dimension bedeutet das neue Ziele und Strategien der „Bewusstseinsbildung“, der  Wissensproduktion, –verbreitung und –anwendung.

            Es war infolge einer weitgehend naturhaft gebliebenen individuellen Informationsverarbeitung bisher schwierig oder unmöglich, die exponentiell wachsende Globalgesellschaft und ihre Mittelproduktion rational zu „modellieren“, die Entscheidungsprozesse zu vergesellschaften und die auf erweiterte Reproduktion von „Kapital“ orientierte Wirtschaft auf eine gemeinschaftsdienliche Funktion zurückzuführen.

            Dies dürfte nur über quantitativ begrenzte, aber qualitativ wachsende individuelle und kollektive Bewusstseinsinhalte möglich sein – wenn das Stoppsignal nicht dem Übersystem „Natur“ überlassen bleiben soll. Der Schwerpunkt der „Mittelproduktion“ muss von der „Energetik“ auf die „Informatik“ „hinaufgehoben“ werden. Das geht nicht ohne Integration der individuellen Wissensproduzenten. PC und „Netz“ reichen als „instrumentelle Mittel“ dafür nicht aus. Es sind zusätzlich dafür neue menschenmotivierende „Modelle“ als „Entscheidungsmittel“ erforderlich.

 

4.2. Gesellschaftliche Entscheidungen

 

Die Entscheidungs- und Verantwortungsdelegierung an „Spitzen“ in gesellschaftlichen Hierarchien ist ein besonderes Differenzierungsprodukt infolge auseinanderlaufender naturhafter und technikgestützter zivilisatorischer Entwicklung. Mit der nachholenden technikgestützten Informationsverarbeitung können die Hierarchien zurückgebaut werden. Technikgestützte informationelle Kommunikation ermöglicht wahrscheinlich eine erhebliche Integration der Gesellschaft, ohne den Menschen selbst biologisch zu manipulieren.

Das Entscheiden ist kein Privileg von Eliten oder „Machthabern“, sondern allgemeine Menschenpflicht.

 

4.3. Gesellschaftstherapie

 

Die energiezeitlichen Therapiemethoden basierten auf energiezeitlichen und fortbestehenden älteren strukturellen und stofflichen Mitteln und Methoden. Sie bleiben prinzipiell auch in der Informationsgesellschaft wirksam, werden aber von den neuen informationellen Mitteln „überlagert“ (Mehrschichtsystem!).

Die Chance liegt in einer größeren geistigen/bewusstseinsmäßigen Koordinierung und Integration mit dem Ziel „höherer Vernunft“, also in der Möglichkeit, Stärke/Gewalt und Besitz/Wohlstand/Reichtum als dominante Werte zurückzudrängen.

Ein weiterentwickeltes Systemmodell, das dem des DHM in Grundzügen entspricht, könnte dabei hilfreich sein.

 

Berlin, Juli 2001

Ernst Schlegel